wD1-Jugend: Tränen statt Meisterfeier
von Christoph Marx
Eine Meisterfeier war nicht geplant, auch wenn bei einem Sieg der Titel festgestanden hätte – zu groß war der Respekt vor der starken Mannschaft der HSG Fürth/Krumbach.
Mit sieben Toren Vorsprung im direkten Vergleich, einem Plus von rund 30 Treffern im Torverhältnis und einer überragenden bisherigen Saison durfte man jedoch selbstbewusst sein und daran glauben, die Spielzeit zu einem positiven Ende zu bringen.
Leider sollte es anders kommen – und dramatischer hätte es kaum laufen können.
Ein unglaublicher 0:5-Lauf in den letzten fünf Minuten besiegelte die 22:30-Niederlage. Am Ende wird vermutlich ein einziges Tor im direkten Vergleich – bei Punktgleichheit und wahrscheinlich deutlich besserem Torverhältnis – darüber entscheiden, dass diese geniale Saison „nur“ auf Platz zwei endet.
Besonders schmerzen die Tränen der Mädels, die nach dem Spiel kaum zu trösten waren.
Die schlechteste Saisonleistung zur falschen Zeit
Leider kam ausgerechnet im entscheidenden Spiel die mit Abstand schwächste Saisonleistung.
Die Voraussetzungen waren mit kleinem Kader und einem dreistündigen Auswahltraining einiger Leistungsträgerinnen unmittelbar vor dem Spiel alles andere als ideal – doch das soll keine Ausrede sein.
Über weite Strecken konnte – mit Ausnahme von Marlene Limburger – keine Spielerin ihr gewohntes Leistungsniveau abrufen. Tempo nach vorne, kreative Doppelpässe, Selbstverständlichkeit im Spiel – all das war diesmal kaum zu sehen. So quälte man sich durch die Partie, bevor in der Schlussphase alle Dämme brachen.
Nach einer Zwei-Minuten-Strafe ohne echte Rückraum-Alternative und bereits genutzter grüner Karte war der Lauf nicht mehr zu stoppen. Man merkte dem Team an, dass es über die Saison hinweg viele deutliche Siege erlebt hatte – echte Drucksituationen dieser Art kannte die Mannschaft bisher nicht.
Respekt vor einem verdienten Meister
Trotz aller Enttäuschung muss klar gesagt werden:
Die HSG Fürth/Krumbach spielt ebenfalls eine herausragende Saison und wird am Ende verdient Meister.
Bei allem Respekt vor den noch ausstehenden Spielen wird es zu gegebener Zeit einen ehrlichen Glückwunsch an eine tolle Mannschaft aus Fürth geben, die starken Handball spielt und in den direkten Duellen stets fair und sportlich agiert hat.
Mehr als eine Platzierung
Auch beim Trainerteam sitzt die Enttäuschung tief. Woche für Woche steckt viel Herzblut in dieser Mannschaft – mit einem großen gemeinsamen Ziel. Auf diese Weise zu scheitern, tut weh. Vor allem, wenn man sieht, wie traurig die Mädels sind.
Aber um den Film Cool Runnings zu zitieren:
„A gold medal is a wonderful thing. But if you’re not enough without it, you’ll never be enough with it.“
Diese Platzierung ändert nichts an unserer Einschätzung:
Sportlich wie charakterlich ist das eine wunderbare Mannschaft, die sich über Jahre großartig entwickelt hat und uns in jedem Training und Spiel Freude bereitet.
Wir geben jetzt noch zweimal Vollgas – und werden mit etwas Abstand voller Stolz auf eine geniale Saison zurückblicken.